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Australiens neue Migrationsstrategie: 8 Maßnahmen für die Reform

Australien hat eine neue Migrationsstrategie mit acht zentralen Maßnahmen vorgelegt. Was hinter den Reformen steckt und was sie für künftige Fachkräfte bedeuten.

· 5 Min. Lesedauer · Intergate Emigration
Australiens neue Migrationsstrategie: 8 Maßnahmen für die Reform

Foto: Anonym

Am 11. Dezember 2023 hat das Department of Home Affairs die lang erwartete Migrationsstrategie veröffentlicht.

Ziel: Das australische Migrationssystem zurück auf Kurs bringen und die Migrationszahlen steuern.

Im Mittelpunkt stehen Fachkräfte, die Australien tatsächlich braucht, sowie schärfere Vorgaben für internationale Studierende.

Das aktuelle System gilt als „defekt”

Der Review of the Migration System 2023 stellte fest, dass das System „kaputt” und „nicht zweckdienlich” sei. Es funktioniere weder für Fachkräfte noch für Unternehmen oder die australische Bevölkerung.

Innenministerin Clare O’Neil sagte: „Es gibt zu viele Fälle der Ausbeutung von Fachkräften. Es gibt zu viele Hinter- und Seiteneingänge ins System, die seine Integrität untergraben. Auf den Druck auf Wohnraum und Infrastruktur wird zu wenig geachtet. Und genau die Fachkräfte, die wir brauchen, schreckt das komplexe, unbrauchbare System ab.”

Die Regierung hat sich nun vorgenommen, das System für Fachkräfte, Arbeitgeber und die Bevölkerung wieder funktionstüchtig zu machen. Erste Vorschläge des Reviews sind bereits umgesetzt:

  • Anhebung der Temporary Skilled Migration Income Threshold (TSMIT) auf AUD 70.000
  • Anhebung der erforderlichen Sparmittel für Studentenvisa um 17 % auf AUD 24.505
  • Mehr Skilled Migration zur Linderung von Engpässen in regionalen Gebieten
  • Reduzierung von Visa-Rückständen und kürzere Bearbeitungszeiten. Beispiel: Das Temporary Skill Shortage Visa wird im Schnitt in elf Tagen statt zuvor 50 bearbeitet.

Der Weg nach vorn

Die Migrationsstrategie skizziert eine neue Vision für das System, aufbauend auf dem Review.

Ziel: ein besser gemanagtes Migrationssystem.

Die Roadmap umfasst acht zentrale Maßnahmen.

1. Temporäre Fachkräftemigration auf den tatsächlichen Bedarf zuschneiden

Die temporäre Fachkräftemigration soll Engpässe schließen und einen Weg in den Daueraufenthalt eröffnen.

Der Review stellte fest, dass das aktuelle Programm dem Fachkräftebedarf nicht gerecht wird.

Maßnahme

Die Regierung führt ein neues vierjähriges Skills in Demand Visa ein. Es gibt Fachkräften mehr Mobilität zwischen Arbeitgebern und einen klaren Weg zum Daueraufenthalt.

Das SID ersetzt das einzig-arbeitgebergesponserte Temporary Skill Shortage Visa und enthält drei zugeschnittene Pfade:

Specialist Skills PathwayCore Skills PathwayEssential Skills Pathway
Zweck: hochqualifizierte Fachkräfte schnell und unkompliziert anwerben.Zweck: regulierter Bedarf über eine vereinfachte, regelmäßig aktualisierte Berufsliste.Zweck: regulierter Pfad für niedriger entlohnte, aber unverzichtbare Fachkräfte.
Voraussetzungen: alle allgemeinen Eignungskriterien plus: Beruf außerhalb von Handwerk, Maschinenbedienung, Fahrer und Hilfskräfte. Mindestgehalt von AUD 135.000 (Specialist Skills Threshold) und nicht weniger als das Gehalt australischer Beschäftigter im selben Beruf.Voraussetzungen: allgemeine Eignung plus Beruf auf einer neuen Core Skills Occupation List. Gehalt mindestens auf TSMIT-Niveau (umbenannt in Core Skills Threshold) oder dem relevanten Marktdurchschnitt, sofern höher.Voraussetzungen: Pfad noch in Entwicklung. Branchenspezifisch, gedeckelt, mit strengeren Vorgaben und Mindeststandards, basierend auf weiterer Beratung durch Jobs and Skills Australia.

Die Regierung verpflichtet sich auf eine Service-Standard-Bearbeitungszeit von durchschnittlich sieben Tagen für den Specialist Skills Pathway. Damit wäre Australien international eines der attraktivsten Länder für hochqualifizierte Fachkräfte.

2. Permanente Fachkräftemigration neu gestalten

Die permanenten Programme haben Australiens Wirtschaft stets gestärkt.

Der Review zeigte jedoch, dass das aktuelle Programm zu sehr auf Visa setzt, die langfristig wirtschaftlich schwächer abschneiden, und dass klare, faire Wege zum Daueraufenthalt für temporäre Fachkräfte fehlen.

Maßnahme

Die Regierung will entwickeln:

  • einen vereinfachten Punktetest, der Qualifikationsniveau stärker gewichtet
  • klare, faire Wege zum Daueraufenthalt für temporäre, gesponserte Fachkräfte

Zusätzlich wird ein neues Talent-and-Innovation-Visum geprüft, um Wachstum in nationalrelevanten Sektoren zu fördern.

3. Internationale Bildung: Integrität und Qualität stärken

Internationale Studierende tragen jährlich AUD 30 Milliarden zur Wirtschaft bei.

Manche Bildungsanbieter haben das System systematisch ausgenutzt. Auch viele Studierende und Absolventen verlängern ihren Aufenthalt durch wiederholte Studentenvisa oder Wechsel zwischen Studierenden- und Graduate-Visum. 108.000 internationale Studierende und Absolventen leben fünf Jahre oder länger in Australien.

Maßnahme

  • höhere Englisch-Anforderungen für Studierende und Absolventen
  • strengere Prüfung risikobehafteter Studentenvisum-Anträge
  • Einschränkungen beim Onshore-Visa-Hopping
  • straffere und vereinfachte Vorgaben für das Temporary Graduate Visum

Anhebung der IELTS-Mindestwerte:

Visum / StudierendenkategorieIELTS 2023IELTS 2024
Temporary Graduate Visa6,06,5
Studentenvisum5,56,0
ELICOS-Studierende vor Hauptstudium4,55,0
Studierende in Foundation- oder Pathway-Programmen mit reputationsstarker Englischausbildungk. A.5,5

4. Ausbeutung verhindern, Missbrauch des Visumssystems eindämmen

Die Regierung räumt der Bekämpfung der Ausbeutung Priorität ein.

Die Migrant Workers’ Taskforce 2019 stellte fest, dass Fachkräfte besonders verletzlich sind, etwa wegen Sprachbarrieren und mangelnder Kenntnis australischen Arbeitsrechts.

Manche Arbeitgeber unterbezahlen oder zwingen zu Tätigkeiten, die das Visum nicht erlaubt.

Maßnahme

Die meisten MWT-Empfehlungen sind bereits umgesetzt. Als Nächstes entsteht ein öffentliches Register zugelassener Sponsor-Arbeitgeber. Damit verbessert sich Integrität und Mobilität, und Fachkräfte können seriöse Sponsoren leichter erkennen.

5. Migration planen, damit die richtigen Skills an den richtigen Ort kommen

Die kurzfristige Planung des permanenten Programms bringt nicht zielgerichtet die nötigen Skills.

Maßnahme

  • längerfristige Migrationsplanung mit stärkerer Zusammenarbeit von Bundesstaaten und Territorien
  • Zusammenarbeit für eine bessere Bevölkerungsplanung auf Basis solider Daten
  • formale Rolle von Jobs and Skills Australia bei der Definition des Skill-Bedarfs
  • bessere Anerkennung und Bewertung von Qualifikationen
  • erweitertes Outreach-Programm für besseren Zugang zum System
  • evidenzbasierter, dreigliedriger Ansatz für Evaluation und Monitoring

6. Regionale Visa und Working Holiday Maker Program zugunsten ländlicher Regionen

Viele wirtschaftliche Chancen entstehen in regionalen Gebieten. Die regionalen Migrationswege sind aber oft zu komplex oder zu langsam, oder nicht auf langfristige regionale Entwicklung ausgerichtet.

Working Holiday Visumsinhaber spielen eine Rolle in der Landwirtschaft, gerade im Gartenbau (93 % der in Australien verzehrten Lebensmittel). Sie sind allerdings häufig Ausbeutung ausgesetzt.

Maßnahme

Vorrangige Bearbeitung regionaler Visa und Evaluation der regionalen Migrationsregelungen sowie des Working Holiday Programms, mit dem Ziel, die regionale Entwicklung zu stärken und Ausbeutung zu verhindern.

7. Beziehungen im indo-pazifischen Raum vertiefen

Australien versteht sich als Teil des indo-pazifischen Raums, mit Verbindungen in Familien, Wirtschaft, Bildung und Tourismus.

Maßnahme

Vertiefung der zwischenmenschlichen Verbindungen, etwa über den direkten Weg zur australischen Staatsbürgerschaft für Neuseeländer, der zum 1. Juli 2023 in Kraft trat.

8. System vereinfachen

Die Regierung will ein „schnelles, effizientes und faires” Migrationssystem schaffen, das Fachkräften und Arbeitgebern dient.

Maßnahme

Verschlankung der Visa-Vorgaben, einfachere Nutzung, Wegfall überflüssiger und doppelter Visa.

Zusammenfassung

Die Migrationsstrategie legt eine Roadmap mit fünf Zielen und acht Maßnahmen vor, mit dem Ziel eines besser gemanagten Systems.

Konkret: klare Wege zum Daueraufenthalt, strategische Migrationsplanung, Vereinfachung des Systems und ein neuer Zuschnitt der Skilled Migration.

Außerdem: gezielte Bedarfe in regionalen Gebieten decken, schärfer agieren bei internationalen Studierenden und Absolventen, Ausbeutung wirksam vorbeugen.

Nächster Schritt

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Eine fokussierte Beratung, passend zu Zielland, Anliegen und Sprache zugeordnet. Danach können Sie selbst weiterarbeiten oder uns beauftragen und die Beratungsgebühr anrechnen lassen.